Moderne Dokumentarfotografie

1. Versuch einer Definition der Dokumentarfotografie

Dokumentarfotografie ist eine Einstellung gegenüber der Welt mit unbedingtem Interesse für Menschen, Dinge, für Vorgänge und Strukturen sowie gesellschaftlichen Entwicklungen.
Dokumentarfotografie ist ein Begriff, der sich heute immer mehr einer festen umrissenen Definition entzieht. Ein weites Spektrum wird abgedeckt, das sowohl Anlehnung in der angewandten als auch in der künstlerischen Fotografie sucht. Dokumentarfotografie zielt im Zeitalter der neuen Medien mehr auf die unterschiedlichsten Publikationsmöglichkeiten, online sowie offline. Sie ist also auch aus dieser Sicht schwer in einen allgemein gültigen Begriff eingrenzbar, zumal auch immer mehr Bewegtbildelemente in dieses Genre Einzug halten.
Mit der Kamera etwas vor dem Verschwinden und Vergessen festzuhalten oder Aufmerksamkeit für bestimmte Vorgänge, Entwicklungen und Dinge zu erreichen, ist der ursprüngliche Gedanke der Dokumentarfotografie.
Moderne, ehrliche und menschliche Dokumentarfotografie ist der Versuch, zu verstehen, was die Menschen tuen, was sie bewegt und warum sie es so machen oder was ihre speziellen Lebensumstände bestimmt, beeinträchtigt oder lebenswert macht. Für gute Dokumentarfotografie sind wir Fotografen vorbereitet, haben das Umfeld erkundet und sind bemüht das Terrain und die Stimmung intensiv kennenzulernen und hintergründiges aufzudecken sowie dem Betrachter neue Einsichten zu bieten. Es wird nicht politisch fotografiert, sondern es entstehen Dokumente und nicht Meinungen.

2. Unser Selbstverständnis zur Dokumentarfotografie

Wir fotografieren aus Leidenschaft und mit einem inhaltlichen Interesse an der Welt. Es sind die Menschen, ihr Umfeld, ihr Leben, ihre Geschichten, ihre Unternehmungen und Tätigkeiten, die uns faszinieren und die wir festhalten. Unsere Fotografie mit persönlichem Blick, vielseitigen Perspektiven und authentischer Grundhaltung ist kommunikativ und ermöglicht dem Betrachter die Welt verständnisvoller und transparenter zu sehen, ihn zu interessieren oder aufzurütteln.
Dokumentarfotografie, im Gegensatz zur rein künstlerischen Fotografie, ist unser persönliches Anliegen. Wir zeigen, was wir vor Ort mit der Kamera sehen, was uns mitnimmt wenn wir unterwegs sind. Unser Blick richtet sich auf das, was ohne Aufhebens geschieht, sich im Alltagsgeschehen oder in ritualisierten Abläufen unsichtbar gemacht hat, dass es der Wahrnehmung entgleitet, aber dennoch eine Bedeutung, Wert oder Symbolik beinhaltet, die nicht verloren gehen sollte.

3. Die wesentlichsten Merkmale zur Erkennbarkeit guter Dokumentarfotografie

Fotografieren ist die bildmäßige Auseinandersetzung mit der uns umgebenden Welt. Eine Geschichte in Bildern soll die Fähigkeit haben, dem Betrachter Einblicke in einen Ausschnitt der Welt zu bieten, den er selbst sonst wohl nie so erfahren würde oder ihm eine ganz neue Sichtweise nahe bringt. Fremdartiges kann dadurch für den Betrachter verständlich werden, im Sinne der Aufklärung und Reflexion oder einfach nur zur lebendigen Unterhaltung.
Ziel einer engagierten und relevanten Dokumentarfotografie ist es, Zusammenhänge aufzudecken und Dinge sichtbar zu machen. Die Reduktion auf das Bild hilft uns bei der Wahrnehmung. Dabei kann die Bildsprache den Betrachter ruhig auch mal verblüffen, ihn aufrütteln oder anregen. Sie sollte Tiefe vermitteln und das Gesehene verdichten.

4. Eine Art Fazit

Die Dokumentarfotografie ist in sich kein homogenes Genre mehr, das nach bestimmten Grundparametern funktioniert, die benannt werden könnten und die ermöglichen, eine dokumentarische Fotografie klar von anderen fotografischen Produktionen zu unterscheiden.
Die wechselseitigen Beeinflussungen durch die inszenierte oder künstlerische Fotografie sind in einigen Arbeiten der Dokumentarfotografie heute ganz offensichtlich. Die Grenzen der fotografischen Darstellung und Ästhetik, immer öfter hingewendet zu einer Corporate-, Werbe- und Modefotografie, werden immer häufiger überschritten. Wie weit das dem ursprünglichen dokumentarischen Grundgedanken widerspricht, wäre eine separate Diskussion wert.
Multimediale Bewegtbildkomponenten werden noch stärker Einzug in die Dokumentarfotografie finden und dem Betrachter intensivere, emotionalere Zugänge der dargestellten Geschichte ermöglichen.

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